Im Fokus 28/26

Daniel Stähli | Leiter Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen Kanton Solothurn

Schon bald – am 1. August – starten die Schulabgängerinnen und -abgänger ihre weiterführenden Ausbildungen, viele von ihnen in einem der 250 Lehrberufe in der beruflichen Grundbildung. Wie steht es aktuell und künftig um den Lehrstellenmarkt?

Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge bewegt sich auf dem Niveau der Vorjahre. Seit vielen Jahren werden im Kanton Solothurn mehr Lehrstellen angeboten, als es suchende Jugendliche gibt. In den vergangenen Jahren blieben jeweils rund 250 bis 300 Lehrstellen unbesetzt.

Es gibt heute also keinen generellen Lehrstellenmangel, sondern vielmehr einen gewissen Mismatch. In einigen Berufen gibt es deutlich mehr offene Lehrstellen als Bewerbende, während andere Berufe weiterhin sehr beliebt und entsprechend stark umkämpft sind.

Welche Branchen sind derzeit vor allem gefragt und welche Branchen kämpfen mit Nachwuchssorgen?

Besonders ausgeprägt sind die Nachwuchssorgen im Gesundheitswesen, im Gastgewerbe, in verschiedenen handwerklichen Berufen sowie teilweise im Baugewerbe. Diese Berufe sind gesellschaftlich unverzichtbar, stehen jedoch oft im Wettbewerb mit gymnasialen Bildungswegen oder leiden unter einem Imageproblem. Gleichzeitig zeigt sich: Gerade in diesen Bereichen bietet die Berufslehre ausgezeichnete Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Wie hat sich die berufliche Grundbildung in den letzten Jahren verändert?

Die berufliche Grundbildung ist moderner, digitaler und durchlässiger geworden. Neben fachlichem Wissen gewinnen digitale und soziale Kompetenzen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig stehen den Lernenden heute deutlich mehr Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten offen als noch vor einigen Jahren.

Welche besonderen Herausforderungen kommen in Zukunft auf die Lehrbetriebe einerseits und die Lernenden andererseits zu?

Sowohl Lehrbetriebe als auch Lernende müssen sich auf einen raschen Wandel einstellen. Betriebe stehen vor der Herausforderung, genügend Nachwuchs zu gewinnen und die Ausbildung laufend an neue Technologien anzupassen. Von den Lernenden werden neben Fachwissen zunehmend digitale Kompetenzen, Eigenverantwortung und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen erwartet.

Zum Schluss: Müssten Sie sich heute spontan für einen Beruf entscheiden, welcher wäre das?

Ich würde wohl erneut einen Beruf wählen, in dem ich Menschen begleiten und etwas gestalten kann. Ob als Lehrperson, Berufsberater oder in einer anderen Funktion, die Arbeit mit Menschen und ihren Zukunftsperspektiven fasziniert mich nach wie vor am meisten.

Zur Person
Daniel Stähli
Leiter Amt für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen Kanton Solothurn