Doppelkonzert

Recherswil – Mundingen (D) – 60 Jahre  musikalische Partnerschaft

In den ersten 1960er-Jahren suchte der Oberbadische Blasmusikverband den Kontakt mit einem Schweizerkorps zwecks einer Vereinspartnerschaft. Die Musikgesellschaft ­Recherswil (MGR) folgte dem Aufruf! Mit dem damaligen MGR-Präsidenten Walter Studer an der Spitze, gab es einen ersten Kontaktbesuch in Mundingen in der oberrheinischen Tiefebene. Die offizielle Partnerschaft startete am Samstag, 2. Juli 1966! Die MGR ­umrahmte die Feier zum 60-Jahr-Jubiläum des Musik­vereins (MV) Mundingen, welcher damals 36 aktive Musikantinnen/Musikanten zählte. Ein grosser Umzug mit 25 Vereinen, angeführt vom jubilierenden MV, zog durch die Kleinstadt zum Festplatz. Teilnehmer berichten, dass das Fest erst in der Nacht zum Montag(!) zu Ende ging … Und damit war auch der Grundstein gelegt für eine wunderbare, freundschaftliche Partnerschaft. Sie dauert nun schon sechs Jahrzehnte. Bei den gegen­seitigen Besuchen zu Konzerten, sogar Wanderwochen und Skiweekends in der Schweiz oder bei der Teilnahme an der Uniformenweihe wurden auch die Kontakte auf privater Basis ­intensiviert.

MV Mundingen am Musiktag 1968 in Recherswil
Mit zwei Reisecars sind der MV Mundingen, mit der Trachtenkapelle als Gastverein, zum Musiktag angereist. Die MGR-Verantwortlichen unternahmen mit den Gästen einen Ausflug auf den Weissenstein, wo bei prächtigem Wetter der Blick frei war auf die Alpen den Bieler- und Neuenburgersee. Der Geschenke-Austausch zwischen den Präsidenten Emil Scheer (MV Mundingen) und Walter Studer (MGR) erinnert an diesen Anlass. Dem MV Mundingen wurde die Ehre zuteil, am Sonntagnachmittag die Marschmusik-­Demonstration anzuführen.

Der heute 84-Jährige und immer noch aktive Euphonist Albert Schwaller mag sich noch gut an den Beginn und die späteren Jahre dieser Partnerschaft erinnern. Die Mundinger waren meist privat bei den MGR-Angehörigen in Recherswil unter­gebracht. Die damals noch jungen Familien in den beiden Korps wuchsen heran und so sind heute teils Väter und «Kinder» noch immer in beiden Korps engagiert; ob «musikalisch» oder in der Vereinsführung.

Unglaublich innige Verbundenheit
Im Jahr 2016, aus Anlass der 50-­jährigen Partnerschaft, haben zwei Mundinger ein aussergewöhnliches Projekt umgesetzt: 170 Kilometer Fussmarsch nach Recherswil. Willi Monke (Jahrgang 1945, Klarinettist, 20 Jahre 1. Vorsitzender) und Willi Zimmermann (Jahrgang 1953, ­Hornist von 1966 bis 2018 und Vorstandsmitglied von 1981 bis 2017) haben ihr Vorhaben umgesetzt. Nach dem Start am frühen Sonntagmorgen führte der Weg durchs Markgräflerland. Über Muttenz, Liestal und Waldenburg gings bis Holderbank. Die zweitletzte Etappe endete in Wangen an der Aare. Am Freitag, 14. Oktober, auf der sechsten und letzten Wegstrecke wurden die beiden Mundinger begleitet von MGR-Musikfreunden.

Mit seinen jetzt rund 2000 Einwohnern ist Mundingen seit dem Jahr 1974 ein Stadtteil der Kreisstadt ­Emmendingen, etwa 15 Kilometer nördlich von Freiburg im Breisgau ­gelegen. Zur Kreisstadt gehören ­weitere fünf Stadtteile.

Der anno 1905 gegründete MV Mundingen ist im gleichnamigen Weindorf einer der ältesten Vereine. Er besteht jetzt aus dem Orchester mit rund 50 aktiven Musikantinnen/Musikanten und einem Orchester mit rund 30 Jugendlichen.

Begeisterndes Doppelkonzert
Aus Anlass der seit 60 Jahren ­bestehenden Partnerschaft reiste die über 30-köpfige MGR-Delegation nach Mundingen. Die freundschaftliche Begrüssung im alemannischen ­Dialekt mit «salli» oder «salü» von Jung und Alt veranschaulichte deutlich, wie gross die langjährige, gegenseitige Wertschätzung ist. Sogar freudige Umarmungen gab es auch.

Am Abend gaben die beiden Korps in der vollbesetzten «Neumattenhalle» ein begeisterndes Doppelkonzert. Mit MGR-Dirigent Thomas Aebi (Kirchberg) startete der Konzertabend. Nach der Pause war die Bühne frei für die Mundinger unter der ­Direktion von Anne Springwald-Dages. Die beiden letzten Stücke (Abba Gold und Radetzky-Marsch) wurden gemeinsam gespielt, jeweils geleitet von der Dirigentin oder vom Dirigenten. Die Zuhörerschaft quittierte das grossartige Konzert mit immens starkem Applaus und einer Standing Ovation.

Als Gastgeschenk überbrachte die MGR einen grossen Käselaib. «Den passenden Wein gebe es dazu ja vor Ort», meinte MGR-Präsidentin Gaby Jäggi unter anderem.

Mit Weisswurst, Senf, Bretzel und Bier startete der sonntägliche ­Apéro. Danach ging es gemeinsam auf einen kleineren Fussmarsch durch die Reben zur Burgruine Landeck. Mit guten Gesprächen und einem Weitblick in die Tiefebene bis fast zum Freiburger Münster endete der Nachmittag bei schönstem Wetter.

Max Flückiger, Recherswil