Im Fokus 44/26

Friedrich Studer | Geschäftsführer kenova AG, Zuchwil

Seit einem Jahr sind Sie Geschäftsführer der neuen Kehrichtverbrennungsanlage kenova AG, die seit der offiziellen Eröffnung am 24. August dieses Jahres im Vollbetrieb läuft. Wie ist der Start verlaufen?

Anspruchsvoll, aber erfolgreich. Trotz technischer und organisatorischer Herausforderungen konnten wir ungeplante Stillstände vermeiden. Das verdanken wir dem grossen Einsatz unserer Mitarbeitenden. Auf dieses Team bin ich stolz.

Die Bevölkerung in der Schweiz produzierte 670 kg Siedlungsabfall pro Kopf (2024). Mehr als die Hälfte wird getrennt, gesammelt und recycelt und der Trend geht weiter in diese Richtung. Für die Politik hat thermische Verwertung eine tiefere Priorität als Abfallvermeidung. Weshalb brauchte es trotzdem eine neue, grössere Verbrennungsanlage?

Die überwiegende Mehrzahl der in der Schweiz verkauften Produkte kann nicht vollständig wiederverwertet werden. Das verursacht Abfall. Bei Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum wachsen somit auch die Abfallmengen. Die höhere Kapazität berücksichtigt dies. Die alte Anlage hatte das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Es geht dabei um die langfristige Entsorgungssicherheit.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für die kenova in Zukunft?

Wir müssen Umweltschutz, Entsorgungssicherheit und bezahlbare Gebühren verbinden. Besonders beschäftigen uns der Klimaschutz, die Entsorgung der Rückstände und schwankende Energiepreise. Dafür brauchen wir gute Fachkräfte und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen.

176 Gemeinden mit insgesamt über 500 000 Einwohnerinnen und Einwohnern liefern ihren Siedlungsabfall an die kenova. Als eine der grössten Anlagen in der Schweiz ist die kenova auch die grösste Stromproduzentin in der Region. Wie sehen Sie das Spannungsfeld zwischen Abfallvermeidung/Wiederverwertung und der gewünschten Auslastung der Anlage?

Abfallvermeidung und Recycling haben Vorrang. Auslastung ist wirtschaftlich wichtig, aber kein Selbstzweck. Unser Auftrag ist eine sichere Entsorgung mit sinnvoller Wertschöpfung zugunsten unserer Einwohnerinnen und Einwohner: Strom, Wärme und Rohstoffe aus Restabfällen gewinnen und damit die Entsorgungskosten mittragen.

Zum Schluss: Was macht Ihre Aufgabe als Geschäftsführer der kenova besonders?

Die Verbindung von Menschen, Technik und Verantwortung. Wir erbringen täglich eine unverzichtbare Dienstleistung, die oft erst auffällt, wenn sie fehlt. Dies mit einem engagierten Team für die Region zu leisten, motiviert mich.

Zur Person
Friedrich Studer
Geschäftsführer kenova AG, Zuchwil