im Fokus 12/26

Mark Struch | Wildbiologe | Amt für Wald, Jagd und Fischerei, Solothurn

Der Kanton Solothurn beteiligt sich mit drei ausgewählten Gebieten am Schweizer Feldhasen-Monitoring. Wie steht es um den Feldhasen und – aus aktuellem Anlass – um den Osterhasen bei uns?

Dem Feldhasen geht es so nicht gut. Seine Bestände sind auch im Kanton Solothurn weitgehend zusammengebrochen. Einzig im nationalen Zählgebiet «Selzacher Witi» stellen wir eine etwas positive Tendenz der Feldhasenbestände fest.

Die drei kantonalen Zählgebiete liegen in der Selzacher Witi, der Grenchner Witi und bei Kestenholz. Einzig in der Selzacher Witi nimmt der Hasen-Bestand im langjährigen Durchschnitt zu, in der Grenchner Witi leicht und in Kestenholz dramatisch ab. Weshalb?

Der Feldhase ist ein Wildtier des Offenlandes und nutzt vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die intensive Bewirtschaftung z. B. das Mahdregime, bedrängt vielerorts die frisch gesetzten Junghasen bereits im April. Auch die Hasenpest fordert ihren Zoll. So wurde der Hasenbestand im Zählgebiet bei Kestenholz vor allem durch diese Krankheit fast ausgelöscht. Im Gebiet der Selzacher Witi halfen dem Hasen Fördermassnahmen wie hasenfreundliches Getreide oder auch landwirtschaftlich extensiv genutzte Flächen wie Buntbrachen.

Der Feldhase gilt in der Schweiz als jagdbar, im Kanton Solothurn von Oktober bis Dezember. Allerdings verzichten die Jagdreviere freiwillig auf die Jagd. Kann sich der Bestand dadurch normalisieren oder braucht es weitere Schutzmassnahmen?

Eine nachhaltige Jagd würde den Hasen nicht gefährden. Es war nicht die Jagd, die den Feldhasen an den Rand seiner Existenz brachte. Der freiwillige Verzicht der Jagdvereine hilft jedoch dem Ziel, den Feldhasen zu fördern. Denn wo die Reproduktion des äusserst fruchtbaren Wildtieres erfolgen kann, die Ökologie im Lebensraum stimmt und die Hasenpest nicht grassiert, könnte der Hase auch wieder bejagt werden. Allerdings bräuchte es dazu ein regelmässiges Monitoring, um die Bestände kontrollieren und deren Entwicklungstendenzen feststellen zu können. Zudem wäre auch die Landwirtschaft gefordert, eine hasenfreundlichere Bewirtschaftung des Offenlandes zu verfolgen.

Zum Schluss: Warum legt gerade der Hase die Ostereier?

Eigentlich kennen wir das Eierlegen hauptsächlich von Vögeln. Das Ei ist auch Symbol für Fruchtbarkeit. Die Osterzeit fällt in unseren Breiten in den Frühling, eine Zeit, in der auch die reproduktionsfreudigen Hasen ihre Fortpflanzungszeit haben. Früher war die Bewirtschaftung der Felder gemächlicher und Hochzeiten der Hasen konnten unmittelbar und zahlreich in Feld und Flur beobachtet werden. Im Frühjahr wird traditionsgemäss auch Ostern gefeiert und so verband der Mensch wohl die Eier mit Ostern und mit deren fruchtbaren Symbolik auch die Rammelzeit des Feldhasen.

Zur Person
Mark Struch
Wildbiologe | Wissenschaftlicher Mitarbeiter Amt für Wald, Jagd und Fischerei, Solothurn