Grafen-Event

«Die Grossmächte setzen ihre Interessen gnadenlos durch»

Am diesjährigen Grafen-Event der Geschichts- und Kulturfreunde Bucheggberg referierte Divisionär Alexander Kohli. Der Kommandant der Territorialdivision 2 sprach über die verschiedenen Aspekte der Sicherheit, aktuelle Bedrohungen und wie diesen begegnet werden kann.

Man darf sich keine Illusionen machen über die Beweggründe und Absichten der Grossmächte. Dies stellte Alexander Kohli letzte Woche auf dem Buechischlössli am diesjährigen Grafen-Event der Geschichts- und Kulturfreunde Bucheggberg unmissverständlich klar. «Die Grossmächte setzen ihre Interessen gnadenlos durch», sagte der Grenchner, der seit dem 1. Januar 2025 die Territorialdivision 2 kommandiert. Es ginge ihnen immer nur um die eigenen Interessen. Darin seien sich alle Grossmächte gleich. Was sie unterscheide sei, wie die Interessen durchgesetzt würden. «Das ist eine Kulturfrage.» Russland setze eher auf Gewalt. Die USA und andere wüssten auch subtilere Mittel anzuwenden.

Schwierige Kommunikation
Zur aktuellen Bedrohungslage der Schweiz sagte Kohli, dass gerade im Bereich Spionage zurzeit so viel los sei, wie seit Jahren nicht mehr. Auch im Cyberbereich sei Vorsicht geboten. Ganz zu schweigen von den vermehrt auftauchenden Drohnen über kritischer Infrastruktur. «Eine Analyse des Nachrichtendienstes des Bundes zeigt, dass es in den letzten sieben Jahren immer schlimmer geworden ist.» Allerdings sei es schwierig, dies zu kommunizieren. «Denn es funktioniert ja alles.»

Sicherheit ist für Alexander Kohli, der einst auf lokaler und kantonaler Ebene für die FDP politisierte, eine vielschichtige Angelegenheit: Um sich sicher zu fühlen, brauche der Bürger wirtschaftliche und politische Stabilität, Rechtssicherheit und persönlichen Schutz. Damit dieses System funktioniere, brauche es Gerichte, Behörden, Feuerwehr, Sanität, Spitäler, Zivilschutz, Polizei und Nachrichtendienst – aber eben als letzte Reserve auch die Armee.

Die Politik wäre gefragt
Die Schweizer Armee verfügt unter anderem über vier Territorialdivisionen. Jene, die Kohli als Kommandant führt, umfasst die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn, Aarau, Luzern, Ob- und Nidwalden. Die Territorialdivision ist für diese Kantone Partner in militärischen Belangen. Die Division stellt unter anderem die Bereitschaft und Mobilmachung der eigenen Organisation und von unterstellten Verbänden sicher, plant und führt Einsätze in ihrem Raum, nimmt die territorialen Aufgaben und Unterstützungsleistungen wahr und festigt die zivil-militärische Zusammenarbeit.

Die Armee müsse gerüstet sein für die Abwehr von Drohnen und Raketen, im Cyberraum und in der elektronischen Kriegsführung, so Kohli. Es gehe nicht einfach um Aufrüstung, sondern darum, die Armee auszurüsten und bestehende Lücken zu schliessen. Diese gebe es auch beim Personal. Es bräuchte mehr Soldaten, damit die Armee auch wirklich «halten» könne, sagte er. Ein Kränzlein windete Kohli den Angehörigen der Armee: «Unsere Truppe ist wirklich gut.» Allerdings müsse man bedenken, dass es sich de facto um Freiwillige handle, sei es beim Kader oder bei den gewöhnlichen Soldaten. Ein paar Querdenker, die es früher, als die allgemeine Wehrpflicht noch durchgesetzt worden sei, gegeben habe, wären auch für die heutige Armee ein Gewinn, ist Alexander Kohli überzeugt.

Auf eine Frage aus dem Publikum, wie lange es denn dauern wird, bis die Schweiz wieder eine verteidigungsfähige Armee habe, sagte Kohli: «Eine normale Beschaffung dauert grundsätzlich zwischen sechs und acht Jahren.» Nur sei es aber leider so, dass in der Politik der Wille, die Armee mit den erforderlichen Mitteln auszustatten, immer noch nicht wirklich vorhanden sei.

Nur für Grafen und Gräfinnen
Der 2010 gegründete Verein Geschichts- und Kulturfreunde Bucheggberg hat sich zur Aufgabe gemacht, die Stiftung Schloss Buchegg finanziell zu unterstützen. Mit abgestuften Jahresbeiträgen, (bis 49 Franken «Gönner»; von 50 bis zu 249 Franken «Ritter» oder «Prinzessin»; ab 250 Franken «Graf» oder «Gräfin») gibt es differenzierte Beitragskategorien. Grafen, Gräfinnen, Ritter und Prinzessinnen werden mit Jahresprogramm, Jahresbericht, Einladungen zu Vernissagen im Schloss und einer Einladung zur Jahresversammlung bedient. Grafen und Gräfinnen erhalten zusätzlich eine Einladung zum Grafen-Event.

Daniel Rohrbach, Brügglen