Interview

Interview mit dem musikalischen Leiter Reimar Walthert

Die Bühne Burgäschi führt dieses Jahr «Hopsa» von Paul Burkhard auf. Wie kam es zu dieser Stückwahl?
Meine Generation ist noch mit den Zellerspielen von Paul Burkhard aufgewachsen. Die «Zäller Wiehnacht» und «De Zäller Josef» liefen bei uns zuhause rauf und runter im Wechsel mit den Kasperlitheatern von
Jörg Schneider. Deswegen hat uns «Hopsa» schon länger gereizt.

Warum erst jetzt?
Ein unbekanntes Stück zu wählen, braucht Mut: Es gibt kaum Aufnahmen, man erarbeitet sich alles selbst am Klavier, prüft kritisch Text, Musik und Wirkung. Funktioniert es heute noch? Was muss angepasst werden? Wo kann man kürzen? Nicht zuletzt muss man sich die Frage stellen, ob es nicht auch gute Gründe gibt, wieso ein Werk vergessen wurde. Manchmal ist ein Stück auch schlecht und wird zu Recht nicht mehr gespielt. Bei «Hopsa» ist dies zum Glück nicht der Fall.

Wieso wird dann «Hopsa» nicht häufiger gespielt?
Wie viele Zürcher Werke der 1930er-Jahre konnte es sich aufgrund der politischen Umstände und rassistischen Boykottmassnahmen kaum international etablieren. Dies, obwohl dieselben Autoren wenige Jahre zuvor Welterfolge wie «Im weissen Rössl» oder die Operetten von Paul Abraham geschaffen hatten. Nach dem Krieg setzte man lieber auf neuere Stücke wie «Feuerwerk» mit dem späteren Welthit «O mein Papa». «Hopsa» ist aber keineswegs schlechter – nur ­weniger bekannt.

Was erwartet das Publikum?
Ein unheimlich gut gemachtes Stück mit viel szenischer Musik, schönen Ensembles und eingängigen Melodien, die zugleich raffiniert verspielt sind. Man wird sich mit einem Ohrwurm im Ohr und einem Lied auf den Lippen auf den Heimweg begeben.

Hermann Gehrig, Burgaeschi