Im Fokus 38/26

Stephan Margreth | Abteilungsleiter Wasser, Amt für Umwelt Kanton Solothurn

Nach dem heissesten und trockensten Sommer seit Messbeginn ist Wasser in aller Munde. Tiefe Pegelstände, trockene Bachbetten, Betretungsverbote, eingeschränkte Wasserentnahmen, abgesunkene Grundwasserspiegel – wie geht es dem Wasser im Kanton Solothurn aktuell?

Hitze und Trockenheit haben die Fliessgewässer stark belastet. Tiefe Abflüsse, hohe Wassertemperaturen und trockengefallene Bachabschnitte setzen den Wasserlebewesen zu. Bei der Trinkwasserversorgung ist die Lage differenzierter: Der Kanton verfügt über bedeutende Grundwasservorkommen entlang von Aare, Emme und Dünnern. Das Wasser ist jedoch regional ungleich verteilt. Vor allem Juragemeinden können in Dürreperioden an Grenzen stossen, wenn Quellen versiegen.

Wird sich der Wasserhaushalt im Verlauf der nächsten Monate normalisieren können?

Eine Erholung hängt von den Niederschlägen im Herbst und Winter ab. Bäche reagieren auf Regen rasch; Böden, Quellen und Grundwasser benötigen länger. Entscheidend sind anhaltende Niederschläge und die winterliche Grundwasserneubildung. Die grossen Grundwasserströme wirken als Puffer. Ob sich der Wasserhaushalt normalisiert, lässt sich nicht verlässlich sagen.

Wie steht es mit der Trinkwasserqualität und -versorgung? Braucht es besondere Massnahmen, um künftig genug sauberes Wasser zur Verfügung zu haben? Wenn ja, welche?

Die Trinkwasserversorgung ist gewährleistet; insgesamt ist genügend Wasser vorhanden, aber nicht überall. Das Trinkwasser kann bedenkenlos konsumiert werden. Gleichzeitig werden im Grundwasser teilweise Anforderungen wie z. B. für Nitrat und Chlorothalonil-Metaboliten nicht eingehalten. Deshalb braucht es konsequenten Ressourcenschutz, rechtskonforme Schutzzonen und weniger Stoffeinträge. Eine Massnahme ist das Nitratprojekt Niederbipp–Gäu–Olten. Der Kanton überwacht zudem die chemische und biologische Entwicklung der Fliessgewässer.

Mit dem Projekt SWAN, dem Solothurner Wassernetz, sollen zusätzliche Fassungen erstellt und die Versorgungen so vernetzt werden, dass Gemeinden möglichst Wasser aus zwei unabhängigen Vorkommen beziehen können. Das Projekt WATER stärkt den Wasserrückhalt in trockenheitsgefährdeten Regionen, etwa durch Schwammstadt- und Schwammlandmassnahmen, Gewässeraufwertungen und angepasste Drainagen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Privaten, der Landwirtschaft, der Energieversorgung und dem Bund? Wo sehen Sie Koordinationsbedarf?

Die Zusammenarbeit mit Gemeinden, Wasserversorgungen, Landwirtschaft, Energieunternehmen, Privaten und dem Bund ist gut. Koordinationsbedarf besteht bei regionalen Verbundlösungen, beim Schutz der Fassungen, bei Entnahmen in Trockenzeiten und bei konkurrierenden Nutzungen. SWAN und WATER schaffen dafür gemeinsame Grundlagen. Auch Finanzierung und Zuständigkeiten müssen geklärt werden.

Zum Schluss: Was bedeutet Ihnen persönlich Wasser?

Wasser ist für mich Lebensgrundlage, Naturraum und öffentliche Verantwortung zugleich. Dieser Sommer zeigt: Wasser ist nicht jederzeit und überall selbstverständlich verfügbar. Wir müssen es schützen, sorgsam nutzen und heute vorsorgen, damit auch kommende Generationen über genügend sauberes Wasser verfügen.

Zur Person
Stephan Margreth
Abteilungsleiter Wasser, Amt für Umwelt Kanton Solothurn