Grafen-Event

«Die Sprache ist nie neutral».

Am diesjährigen Grafen-Event der Geschichts- und Kulturfreunde Buch­eggberg referierte Franziska Ingold, die Kommunikationschefin von Bundesrat Albert Rösti. Die in Küttigkofen wohnhafte ehemalige Fernsehjournalistin erzählte von den Abläufen in Bundesbern, der Bedeutung der Sprache und der Dankbarkeit ihres Chefs.

Politik war und ist ein stetiger Begleiter von Franziska Ingold. Sei dies in ihrer Rolle als Staatsbürgerin, Journalistin oder Politikerin. Bereits als 22-Jährige sass sie in Niederbipp für die SP im Gemeinderat. Gut zehn Jahre später schaffte sie den Sprung in den bernischen Grossen Rat. Die aktive Politik gab sie aber auf, als sie eine Stelle als Redaktorin und Produzentin bei SRF antrat. Nach der Tätigkeit als Leiterin Kommunikation und Marketing bei der Insel Gruppe und anschliessender Selbständigkeit ist sie seit Juli 2023 Kommunikationschefin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Also dem Departement, dem SVP-Bundesrat Albert Rösti vorsteht. Als sie angefragt worden sei für diese Stelle, habe sie zuerst zwei Mal «nein» gesagt, erzählte Franziska Ingold letzte Woche auf dem Buechischlössli am diesjährigen Grafen-Event der Geschichts- und Kulturfreunde Bucheggberg. «Weil ich mir dies schlicht nicht zugetraut habe.»

«Das spannendste Departement»
Schliesslich siegte ihr Selbstbewusstsein doch noch. «Ich habe aber nicht gewusst, auf was ich mich einliess.» Heute könne sie sagen, langweilig werde es nie. Kein Tag sehe so aus wie der andere. Das UVEK, weil es eine grosse Bandbreite abdeckt auch gerne als Schlüsseldepartement bezeichnet, sei in ihren Augen «das spannendste Departement», sagte Franziska Ingold. Ihre Hauptaufgabe als Kommunikationschefin sei es, die Kommunikation zu koordinieren, die heiklen Punkte zu beobachten. Stets sei im Auge zu behalten, was die Kernbotschaft des «Chefs», wie Rösti in ihrem Team genannt werde, sein könnte. Ebenso wichtig sei auch, gedanklich vorwegzunehmen, was die Fragen der Journalisten sein könnten. Als Kommunikationsexpertin wies Franziska Ingold auch darauf hin, dass Sprache nie neutral sei. Das erklärte sie so. «Die Linken sagen AKW, also Atomkraftwerk. Die Bürgerlichen dagegen KKW, also Kernkraftwerk.»

Der spontane Chef
Zu den Aufgaben einer Kommunikationschefin gehört auch, ihren Chef in ein möglichst gutes Licht zu rücken. «Wenn ich weiss, dass ihm ein anstrengender Tag bevorsteht, achte ich darauf, dass er nicht noch irgendwo eine Rede halten muss.» Sie arrangiere es dann eher so, dass er ein Interview geben könne. «Darin ist er stark. Dort kann er seine Inhalte anbringen.» Und gerade bei öffentlichen Auftritten, bei den Leuten hole Rösti seine Energie. Er sei sehr spontan. Sie verstehe sich aber nicht als Aufpasserin, sagte Franziska Ingold. Sie wolle ihn auch nicht abschotten. «Als Mensch ist Albert Rösti sehr bodenständig. Und sehr dankbar.» Wenn er Merci sage für etwas, sei dies kein Lippenbekenntnis.

Nur für Grafen und Gräfinnen
Der 2010 gegründete Verein Geschichts- und Kulturfreunde Bucheggberg hat sich zur Aufgabe gemacht, die Stiftung Schloss Buchegg finanziell zu unterstützen. Mit abgestuften Jahresbeiträgen, (bis 49 Franken «Gönner»; von 50 bis zu 249 Franken «Ritter» oder «Prinzessin»; ab 250 Franken «Graf» oder «Gräfin») gibt es differenzierte Beitragskategorien. Grafen, Gräfinnen, Ritter und Prinzessinnen werden mit Jahresprogramm, Jahresbericht, Einladungen zu Vernissagen im Schloss und einer Einladung zur Jahresversammlung bedient. Grafen und Gräfinnen erhalten zusätzlich eine Einladung zum Grafen-Event.

Daniel Rohrbach, Brügglen