Pfingsten 2026

Pfingsten 2026 – «crazy»

Was damals, 50 Tage nach der Auferstehung Jesu, geschah, lässt sich in moderner Sprache am besten in ein Wort fassen «crazy».

Im neuen Testament wird in der Übersetzung der «Volxbibel» in ­Jugendsprache so davon berichtet: «Plötzlich kam in dem Raum von oben runter ein Wind auf, alle ­hörten ein ganz seltsames Rauschen. Es war fast so, als hätte jemand gerade die Luftreinigeranlage eingeschaltet. Dann sahen sie, wie sich plötzlich bei allen so eine Art zackiger Blitz auf die Köpfe setzte. Und dann waren alle mit einer übernatürlichen Gottesenergie vom Heiligen Geist angezappt, die sich so anfühlte wie eine mega Orkanböe im Raum! ­Einige fingen dabei an, in irgendeiner unbekannten Fremdsprache zu reden, einer Sprache, die von Gottes Energiestrom einfach in ihr Gehirn hochgeladen wurde. Zu dem Fest waren mega viele gläubige Juden aus der ganzen Welt nach Jerusalem gepilgert. Sehr viele Leute aus der Stadt kriegten das mit, von überall kamen sie angerannt. Was keiner von den Ausländern auf die Reihe kriegen konnte, war, wie diese sogenannten Apostel in ihrer eigenen Sprache ­reden konnten! «Digga, was geht da ab?!», riefen die völlig lost. «Das sind doch alles Menschen, die aus Galiläa stammen! Das kann doch gar nicht angehen, dass die auf einmal unsere Muttersprache sprechen können, ­obwohl wir aus der ganzen Welt kommen. (…) Und trotzdem hören wir ­jeder in unserer eigenen Sprache, wie diese Männer da von den epischen Sachen erzählen, die Gott macht!» Völlig verwirrt, checkten sie es gerade überhaupt nicht, was da abging: «Was hat das alles nur zu bedeuten?» Ein paar Leute rissen aber auch ein paar dumme Sprüche und meinten: «Party hard, Digga! Die sind doch alle voll breit.»
(Apostelgeschichte 2,1-13, «Volx­bibel»)

Wie betrunken wirkten die, die von Gottes Geist erfüllt wurden. Einfach crazy, was da abging und noch heute geschieht: An Pfingsten fallen Grenzen, die sich Menschen vor allem in ihren Köpfen machen. Verstän­digung ist möglich, die «babylonische Sprachverwirrung» wird auf den Kopf gestellt, Fremde begegnen sich auf Augenhöhe und können einander verstehen.

«Und alle wurden erfüllt vom heiligen Geist» heisst es in einer anderen Übersetzung der Bibelstelle. Auch wenn er nicht sichtbar ist, ist das Wirken von Gottes Geist erfahrbar: Als Mut und Trost, als Offenheit und Aufmerksamkeit, als Bewegung und Liebe kann er Einzug halten und Frieden schenken. Der Pfingstgeist möchte Mut und Kraft schenken, gegen alle Hoffnungslosigkeit und Angst in der Welt aufzustehen. Er lädt ein, die Begeisterung fürs Leben wiederzufinden und an Veränderung zu glauben – auch wenn manches verkrustet und festgefahren scheint. Der Geist von Pfingsten möchte einen ziemlich crazy Eindruck hinterlassen und Menschen animieren, sich auf ihn einzulassen, auch wenn das Risiko besteht, die Welt auf den Kopf zu stellen. Das wäre aber in der heutigen Zeit an manchen Stellen in unserer Gesellschaft gar nicht das Schlechteste, oder?

Verrückte, mutige und belebende Pfingsttage wünscht Ihnen im Auftrag der reformierten Bezirkssynode Solothurn:

Dorothea Neubert,
Pfarrerin in der Kirchgemeinde Aetingen-Mühledorf

Bild: Gestaltung Bossard-Grafik, Lohn-Ammannsegg