Kurzbericht

Fuchs, du hast die Gans gestohlen – ein Kurzbericht der Wasserämter Jägerschaft über Wildtiere in Siedlungen

Dort, wo wir Menschen es uns ­gemütlich machen, ist es auch für einige unserer Wildtiere bequem. Nicht ohne Grund gibt es das Lied «Fuchs, du hast die Gans gestohlen». Rotfüchse, aber auch Steinmarder (und vielleicht in Zukunft auch der Waschbär) sind Allesfresser und ­profitieren als sogenannte Kulturfolger vom Menschen und seinen Aktivitäten. Man trifft sie daher auch im Wasseramt nicht selten in Siedlungen an – denn wo wäre es einfacher, an Nahrung zu kommen? Müllsäcke mit Fleischresten, «frische» Früchte im Kompost, Katzenfutter, Kleintiere und dazu noch gemütliche Dach­stöcke oder Gartenhäuschen um sich auszuruhen – ein wahres Schlaraffenland für unsere pelzigen Räuber. Wo Mensch und Tier ungewollt aufeinandertreffen, sind Konflikte vorprogrammiert. Während der Fuchs primär durch Futtersuche Schäden verursacht – etwa durch zerrissene Müllsäcke, geplünderte Komposte oder das Reissen von Kleintieren wie Huhn oder Kaninchen –, kann sich der Marder zudem durch Schäden an Autokabeln und Isolationen am Haus oder durch seine Hinterlassen­schaften beispielsweise im Dachstock bemerkbar machen. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, dass Wildtiere generell Krankheiten auf Haustiere und auf Menschen (sog. Zoonosen) übertragen können.

Was kann man als Einwohner ­dagegen tun?
Präventive Konfliktvermeidung ist entscheidend, hierzu einige Tipps:
– Abfallsäcke erst am Morgen der Abfuhr rausstellen und Komposthaufen abdecken;
– Kleintiere wie Hühner und Kaninchen in stabilen, engmaschigen und genügend hohen (mannshohen) Gehegen        mit Untergrabschutz halten, diese regelmässig auf Schlupflöcher kontrollieren;
– Wildtiere nicht füttern, Haustierfutter an für Wildtiere unerreichbaren Orten lagern und ausgeben;
– Gebäude, insbesondere Isolation und Dachstock, auf Schlupflöcher kontrollieren und solche schliessen.

Was kann die Jägerschaft tun?
Im bekannten Lied heisst es: «… gib sie wieder her, sonst kommt dich der Jäger holen mit dem Schiessgewehr» – ein Bild, das nicht der heutigen Realität entspricht. Da eine Schussabgabe in Siedlungen sehr viele Risiken mit sich bringt (durch ungeeigneten Kugelfang oder mögliche Abpraller), ist diese nur in Ausnahmefällen möglich, etwa bei erheblich krankem, nicht flucht­fähigem Wild. Fluchtfähige oder gesunde Wildtiere werden in der Regel aus Sicherheitsgründen in bewohnten Gebieten nicht bejagt. Oft können wir aus jagdlicher Sicht vor Ort ­keine Massnahmen treffen. Durch jagdliche Regulierung in den Revieren können wir jedoch die Bestände auf einem vertretbaren, gesunden Niveau halten und so Konflikten ebenfalls präventiv entgegenwirken.

Wildunfälle – vermeiden und ­richtig Handeln
Nicht alle Unfälle mit Wildtieren lassen sich verhindern, erhöhte Aufmerksamkeit und angepasstes ­Tempo – vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung und entlang von Wald und Feld – tragen aber ­wesentlich zur Vermeidung von Wildunfällen bei.

Was tun, wenn es doch passiert:
1. Anhalten, Unfallstelle sichern (Warnweste, -blinker, Pannendreieck), allfällige Fluchtrichtung
wenn möglich merken; 
2. Polizei anrufen – das Unterlassen einer sofortigen Meldung ist gemäss Strassenverkehrsgesetz strafbar; 
3. sich dem Wildtier nicht an­nähern, nicht aufsuchen und nicht anfassen; 
4. Jagdaufsicht abwarten – so können die Tiere gesucht, entsprechend ihrem Zustand
     professionell beurteilt und allenfalls erlöst werden.

Mit bewusstem Verhalten kann jede und jeder dazu beitragen, Konflikte mit Wildtieren zu vermeiden. Die Jägerschaft des Wasseramtes dankt Ihnen für Ihre Unterstützung.

Fabio Peter, Deitingen
Hegering Wasseramt

Nächtlicher Quartierbesuch:
Ein Steinmarder in Deitingen,
Bild: Private Überwachungskamera (zvg)