Suchmaschine oder Seelenverwandte?
Wie sprechen Sie mit der KI, etwa mit ChatGPT? Tippen Sie kurze Befehle, nüchtern wie bei einer Google-Suche? Etwa so: Fünf Stichworte, zack, raus und weg. Oder gehört für Sie auch in der digitalen Welt ein «Bitte» und «Danke» dazu? Vielleicht schreiben Sie sogar «Liebe KI …» und geben dem Gespräch eine Wärme, die für manche absurd wirkt. Denn schlussendlich ist künstliche Intelligenz ein Computerprogramm. Viele kommunizieren ungeduldig. «Noch kürzer!», «Anders!», «Schneller!» Aber wie sieht es die Maschine selbst? Sie bleibt gleich. Sie kennt weder Groll noch Freude. Ihr ist es egal, ob Sie höflich sind oder nicht. Doch das Überraschende ist: Für uns Menschen macht es einen Unterschied. Sprache verändert den Tonfall und damit auch die Atmosphäre, in der wir uns bewegen. Ein Kompliment lässt die KI nicht erröten, aber es verändert den Dialog: Plötzlich klingt die Antwort wertschätzend zurück. Nicht, weil die Maschine Gefühle entwickelt, sondern weil wir selbst den Rahmen dafür geschaffen haben.
Mit anderen Worten: Kommunikation ist immer auch ein Spiegel. Mit Menschen oder Maschinen. Im Alltag, im Beruf, im Sport und auf der Strasse. Ein «Bitte» oder eine freundliche Geste verändert vielleicht nicht die Handlung, aber die Stimmung. Ein «Danke» macht die Realität nicht heller, aber den Moment besser. Denn Worte sind keine schnöde Dekoration, sie sind Werkzeuge der Menschlichkeit. Die Frage, ob die KI intelligenter ist als wir Nutzerinnen und Nutzer? Ja, manchmal. Komplexer? Wahrscheinlich. Aber ohne gute Fragen, präzisen Input und die unbändige Neugier von Menschen wäre künstliche Intelligenz nur ein Datensilo im Leerlauf. Vielleicht ist das sogar das eigentliche Geheimnis: Künstliche Intelligenz ist nur so klug wie die Gespräche, die wir mit ihr führen. Deshalb plädiere ich für ein klares «Liebe KI …». Denn das sagt nicht, dass wir naiv sind. Es sagt, dass wir verstanden haben: Selbst in einer binären Welt aus Einsen und Nullen haben Wertschätzung, Freundlichkeit und Höflichkeit Platz.
Simone Leitner Fischer