Hermann Gehrig | Intendant Bühne Bürgäschi
Seit Jahrzehnten prägen Sie mit regionalen Grossanlässen erfolgreich die Tradition des Musiktheaters im Wasseramt. Was motiviert Sie nach so vielen Jahren zum Weitermachen?
Alles begann vor fünfzig Jahren in Aeschi mit einer Aufführung des Singspiels «Vettergöttis Annelies» von Otto Wolf und Albert Jenny. Die vielen regionalen Theatergruppen beweisen, dass eine aktive und passive Auseinandersetzung mit dieser Kulturart bereichernd ist. Wenn sich dann die Musik mit dem Text verbindet, wird es erst recht zum Genuss.
Was hat sich im Verlauf der Zeit beim Inszenieren von Musiktheatern verändert?
Während dreissig Jahren leitete ich Operettenaufführungen mit Laien, auf der Bühne und im Orchester. Mit wenig Werbung und ohne Sponsoring feierten wir grosse Erfolge. Heute ist diese Vorgehensweise nicht mehr denkbar. Seit der Gründung der Bühne Burgäschi arbeiten wir mit Profis zusammen.
Die neueste Musical-Produktion «Hopsa» von Paul Burkhard kommt sehr gut an. Wie aufgeregt waren Sie trotz Ihrer jahrelangen Erfahrung als Intendant an der Premiere?
In den vielen Jahren als Hauptverantwortlicher unserer Operetten verspürte ich nie Lampenfieber. Die organisatorische Belastung liess mich oft nicht gut schlafen. Dazu kam die anspruchsvolle Arbeit mit Laien.
Vor zwanzig Jahren übernahmen meine Tochter und mein Schwiegersohn die Leitung der Produktionen. Ich unterstütze sie seither mit Infrastrukturaufgaben.
Was macht das Musical «Hopsa», 1935 erstmals aufgeführt, fürs heutige Publikum attraktiv?
Die Handlung ist einfach. Es geht um junge Leute, die sich den Weg ins Leben suchen. Faszinierend ist die Musik von Paul Burkhard. Beweisstücke sind «Der schwarze Hecht» und «Die kleine Niederdorfoper». Dass «Hopsa» vergessen wurde, liegt an seiner Entstehungszeit vor dem zweiten Weltkrieg.
Zum Schluss: Wie sehen Sie die Zukunft des Musiktheaters allgemein und der Bühne Burgäschi im Besonderen?
Seit der Antike kennt man das Musiktheater. Aus der Barockzeit gibt es Hunderte von Bühnenwerken mit Musik. Dann folgten die grossen Opern des 19. Jahrhunderts, daraus entstanden Operetten. Diese wurden von Musicals abgelöst.
Die staatlichen und städtischen Theater pflegen das Musiktheater. Wir betätigen uns in der freien Szene. Glücklicherweise finden wir immer wieder Sponsoren, die uns unterstützen. Solange uns ein begeistertes Publikum besucht, sehe ich zuversichtlich in die Zukunft.
Zur Person
Hermann Gehrig
Intendant Bühne Burgäschi